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« Un nouvel élan pour le français » à Berlin

Wenn man als Berliner Französischlehrer*in nach einer Fortbildung sucht, findet man ein reichhaltiges Angebot: z. B. Fortbildungen in den Regionen, den Studientag romanische Sprachen 1./2./3. Phase an der Freien Universität, den Medienpädagogischen Fachtag mit Sommerfest der VdF, bild01die VdF-Soirée (nicht nur) für Berufseinsteiger*innen, Ateliers im Institut Français, Angebote der Verlage, die Fête de la Francophonie und nicht zuletzt den Berlin-Brandenburger Fremdsprachentag – oft an einem Nachmittag, manchmal an einem Samstag, teilweise im Verbund mit anderen Sprachen.

Neidisch blickten wir auf die Bundesländer, in denen „reine“ ganztägige Französischlehrer- tage stattfinden. Aber warum konnten wir das nicht auch in Berlin wagen? Eine Teil- nehmer*innenbefragung zum Sommerfest 2017 ergab eine große Zustimmung und so legten wir einige Kernpunkte fest:

Um uns nicht in Konkurrenz zum Berlin-Brandenburger Fremdsprachentag zu begeben, planten wir für ein Jahr, in dem dieser Tag in Potsdam stattfand und mit etwas zeitlichem Abstand für den November 2018. Es sollte eine ganztägige Fortbildung an einem Unterrichtstag sein, was mit der Fortbildungsverwaltung besprochen werden musste. Lehrkräfte von der Grundschule bis zum Abitur sollten angesprochen werden und das Programm an einem zentralen Veranstaltungsort mit einem Frankreichbezug sollte auch Raum für den kollegialen Austausch und die Vernetzung bieten.

bild02Als wir als Landesvorstand der VdF unsere Ideen bei der Table Ronde pour la promotion de français à Berlin vorstellten, erfuhren wir sofort große Unterstützung. Alle zeigten sich von der Idee eines Tages nur für Französisch begeistert. Das Institut Français bot uns zentral gelegene Räumlichkeiten an, die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie unterstützte uns finanziell und bei vielen organisatorischen Fragen, die Schulbuchverlage und Partner des Französischlernens in unserer Stadt halfen uns bei der Finanzierung der Ateliers unserer „Wunsch“-Referent*innen… Es war also gar nicht schwer, einen solchen Tag auf die Beine zu stellen und inhaltlich zu füllen.

Unklar war, wie viele Teilnehmer*innen wohl zu einem solchen „reinen“ Französischlehrer*innen-Tag kommen würden. Es zeigte sich, dass unser „élan pour le français“ von vielen geteilt wurde; die meisten Ateliers waren nach wenigen Tagen ausgebucht und wir mussten schweren Herzens die Anmeldung schließen, obwohl es immer noch viele Anfragen gab. Aber es gab nur 150 Stühle.

Die zentrale Frage des Tages war nun, was wir tun müssen, damit dieser „élan pour le français“ auch bei den Schüler*innen ankommt und sie nicht bei erst bester Gelegenheit die Sprache wieder abwählen. Im Einführungsvortrag stellte Otto-Michael Blume die Frage, was wir für unser Fach tun können und verband seine Anregungen mit den angebotenen Ateliers. Eine große Rolle spielte die Motivation, die von authentischen Materialien ausgeht, z. B. beim Hör- und Hör-/Sehverstehen (Britta Boberg, Colette Sarrey, Julia Kochanek), der Arbeit mit EducArte (Susanna Holowati) und mit bandes dessinées (Kay Schwemer) oder durch die Integration digitaler Medien (Julius Becker).
In seinem Atelier „Web 2.0 im Französischunterricht“ lernten die Teilnehmer*innen verschiedene Anwendungen kennen, mit denen sie die vielfältigen Aspekte von Medienkompetenz mit dem Fremdsprachenerwerb verknüpfen können. Nach nützlichen Tipps zum Schutz der personenbezogenen Daten stellte Herr Becker ausgewählte Web 2.0 Dienste vor, bei denen die Internetnutzer*innen zu Produzenten werden: Twitter, WhatsApp, edupad, Breaking News und Mentimeter. Bei letzterem wurden die Ergebnisse einer Umfrage der Teilnehmenden in Echtzeit visualisiert. Mit solchen Tools lässt ohne viel Aufwand ein zeitgemäßiger und motivierender Französischunterricht realisieren.

bild03Aber auch der eigene kreative Umgang mit der Sprache, z. B. bei der Erstellung von romans photo (Konrad Schaller) oder Lapbooks (Sabina Nedl) wurden angeregt. Wulf Conrad stellte den virtuellen Schüleraustausch vor: Hier konnten sich Kolleg*innen mit pädagogischen Grundsätzen der Austauschpädagogik, Methoden der Sprachanimation und modernen Tools für eine virtuelle Vor- und Nachbereitung einer deutsch-französischen Begegnung vertraut machen.

Ein besonderes Highlight stellten dabei die innovativen Lernmodule Inter@ctions  dar, die auf der Lernplattform Tele-Tandem (https://www.tele-tandem.net/praxis/interactions/) jedem Französischlehrenden zur Verfügung stehen, um gemeinsam mit seinem/seiner französischen Kolleg*innen noch mehr aus einem Schüleraustausch zu machen.

Zu einer weiteren Forderung aus dem Einführungsvortrag, die Frankophonie stärker zu berücksichtigen und die Lernenden deren Faszination spüren zu lassen, gab Juliane Dyrschka im sehr anschaulichen und informativen Vortrag Enseigner le Canada wertvolle Anregungen. Sie stellte den Teilnehmer*innen das Bildungsprogramm der kanadischen Botschaft vor, das u. a. thematische Führungen, die Entwicklung von Lehrmaterialien, Fortbildungen für Lehrkräfte, Filmvorführungen und Workshops für alle Schulstufen (auch Grundschulen) beinhaltet.

bild04In der Kaffee- und Mittagspause gab es einen regen Austausch der Teilnehmenden, man vernetzte sich, plante gemeinsam Neues oder wie es ein Referent zusammenfasste: „Außerdem fand ich die gesamte Atmosphäre sehr convivial. So wünsche ich mir eigentlich einen Tag für Französischlehrer. Nicht nur Inhalte, sondern auch Zusammenhalt und Austausch pflegen und dafür einen Rahmen anbieten. Das fand ich sehr schön.“ (Falk Staub)

Und auch wir Organisator*innen sind stolz auf den gelungenen Tag und freuen uns auf den 2. Berliner Französischlehrer*innen-Tag im Frühjahr 2020.

Elke Philipp